Brauchbarkeitsprüfung Gustav

Aus einer Schnapsidee wurde Ernst…

Den Sommer über haben wir fleißig trainiert und Gustav lernte und lernt viel und vor allem schnell. Er arbeitet Schleppen wie ein Großer, er bringt von Kaninchen, über Taube, Ente, Fasan bis hin zur Krähe alles in die Hand. Die ein oder andere Stöbererfahrung hatte er auch schon und Schweiß war quasi ein Selbstläufer. Also meldete ich ganz größenwahnsinnig die volle Brauchbarkeit (außer Wasser, das wurde in unserem KJV dieses Mal nicht angeboten).

Ein wenig Stangenlaufen, das ein oder andere Mal noch Stöbern im Mais UND das Standtreiben mussten innerhalb von 14 Tagen noch etwas „finegetuned“ werden, aber ich war zuversichtlich, dass wir das schaffen 😉

10 Tage vor der Brauchbarkeit gab es das erste Standtreiben mit einem weiteren Hund, Gustavs erste Erfahrung dieser Art. Am Wegrand sitzen und warten, während Frauchen „Hopp Hopp!“ ruft und Dummies auslegt, welche er danach suchen darf, kannte er schließlich aus dem FF. Tja und plötzlich läuft alles anders wie man denkt…

Gustav fand das Treiben, den Lärm und die Schüsse irgendwie komisch und wollte partout nicht am Bein sitzen bleiben, sondern sich lieber nach hinten weg verdünnisieren. Tausend Sachen schossen mir durch den Kopf, ganz dick und fett natürlich die Schussempfindlichkeit. Sowas hatte ich noch nie, aber sag niemals nie. Prompt machten wir den Vergleich und schossen im Feld während des Freilaufs. Gustav zeigte sich nicht beeidruckt, sondern suchte eifrig nach IRGENDWAS. Der Schuss interessiert ihn also herzlich wenig.

Brainstorming war angesagt und ich entschloss mich dazu es so zu machen wie er es kennt. Die Treiber im Treiben wurden mit Dummies ausgestattet und Gustav durfte während des Treibens beobachten, wie Dummies ausgelegt werden und anschließend arbeiten. Das Treiben, der Lärm, die Schüsse ergaben für das kleine Terrierhirn langsam einen Sinn und es wurde von Tag zu Tag besser. Gustl konnte zum Schluss (2 Tage vor der Brauchbarkeit) nahezu entspannt am Fuß sitzen und durfte im Anschluss immer etwas im Treiben finden. Crashkurs in Sachen Verhalten auf dem Stand geglückt – oder?

Nichts desto trotz war ich am Prüfungstag tierisch aufgeregt. Die Gehorsamsfächer kamen als erstes dran, da sie als „Zugangsvoraussetzung“ für die restlichen Fächen verpflichtend sind. Es ging mit der Schussfestigkeit im Feld und heranrufen los. Nach kurzer Begrüßung durch die Richter leinte ich ihn ab und schickt ihn in den Freilauf. Erster Schuss, Gustl guckt: „Frauchen?!“ ich schicke ihn weiter und er sucht weiter. Zweiter Schuss, ranrufen. Gustav kommt auf den Doppelpfiff im Tiefflug und parkt in vorbildlicher Manier am Fuß ein 🙂 was ein Terrtriever ist, weiß sich eben zu benehmen. Die Zuschauer waren etwas verblüfft ob des tollen Gehorsams des jungen Terroristen. O-Ton: „Sowas sieht man nicht so oft…“ erster Pluspunkt für Gustav, Schussfestigkeit und rankommen auf den Pfiff – check!

Im Anschluss an die Schussfestigkeit (ein Gespann konnte nicht bestehen, der Dackel hatte eine eigene Mission und war davon nicht abzubringen) ging es für die Verbliebenen 5 Gespanne in unserer Gruppe weiter zum Stangelaufen. Kurz und knapp: hat er brav gemacht. Das ist seit Welpenbeinchen an unsere Standardübung.

Im Anschluss daran folgte das Standtreiben. Wir waren die letzten in unserer Gruppe und hatten somit das ganze Treiben und die Schüsse der restlichen Gespanne vor uns. Mein Ar*** ging auf Grundeis und mir schossen alle Szenarien durch den Kopf. Vom rückwärts weg wollen, über in die Leine springen bis hin zum winseln spielte mein Kopfkino verrückt und wurde, zum Glück, vom beginn des Treibens unterbrochen. Kurzer Lagecheck nach unten an mein linkes Bein, Gustav sitzt wie festgenagelt und staunt in den Bestand hinein. Der dachte wohl „Sooooo viele Treiber und die legen alle ein Dummy für mich aus!!!“ 🙂 Ich gab meinen Schuss ab, brach die Flinte und schaute gespannt an meinem Bein herunter: ER SITZ immer noch so festgetackert wie zu beginn des Treibens! Yeah!!!! Crashkurs hat geholfen.

Er saß während des kompletten Treibens gespannt, aber ruhig, am Fuß und schaute sich das Spektakel an, als es vorbei war schaute er zu mir hoch, ganz nach dem Motto „Darf ich jetzt?“. Zur Belohnung bekam er seinen Ball, auch wenn er etwas enttäuscht war, dass er das Abteil jetzt nicht auf links drehen darf. Er hat es verkraftet und mir fiel gefühlt der Mount Everest vom Herzen…

Man bestaunte das ruhige Verhalten des Terriers ein weiteres Mal und ich war einfach nur happy. Jetzt musste er nur noch das zeigen was er konnte: arbeitenwar angesagt!

Die Übernachtfährten wurden gelost und wir bekamen Fährte Nummer drei. Das bedeutete für Herrchen und Frauchen erstmal Beruhigungskaffee und ein kleines Frühstück. Gustl durfte eine kleine Runde Gassi gehen und sich im Anschluss in seiner Box mental auf die Fährte vorbreiten.

Als wir an der Reihe waren, bekamen wir unseren Anschuss und die Fluchtrichtung angezeigt. Wie gelernt legte ich ihn wenige Meter vom Anschuss weg und packte in aller seelenruhe Leine und Halsband in meinen Rucksack, legte ihm die Halsung samt Riemen um und machte mir ein Bild von unserem Anschuss. Am Anschuss untersucht er sehr konzentriert alles ab und machte sich langsam auf den Weg. Er arbeitete sehr ruhig und konzentriert, zeigt immer wieder Schweiß an und war auch sonst zu lesen wie ein Buch. Nach dem ersten Haken zeigt er mir das Wundbett an und wir verharrten einen Moment. Kurz ablegen und durchatmen. Vor allem ICH! Dann ging es weiter in Richtung einer kleinen Lichtung mit Salzlecke. Auf Höhe der Salzlecke wurde er sehr unruhig und nahm die Nase ein paar mal zu oft hoch für meinen Geschmack. Ich ging ihm noch etwas nach, ehe ich abbrach und ihn abtrug, dorthin wo wir zuletzt auf der Fährte waren (meiner Meinung nach…) Kurz durchatmen, einen Schluck Wasser trinken und selbst nach Schweiß suchen… Weit konnte das Ende nicht mehr sein. Ich fand leider keinen Schweiß und vertraute auf Gustav, der streckte seine Nase in die andere Richtung (von der Verleitung weg) und ich entschloss mich dazu ihm nachzugehen. Er arbeitet etwas weniger konzentriert weiter, nichts desto trotz sicher und mit Zug nach vorne. Nach einigen, ungewissen Metern sah ich dann die Decke vor uns liegen. Ohne Abruf zum Stück gekommen.

Das Jagdhorn erklingt und Gustav erntet großes Lob!!! Unsere Zusammenarbeit und Ruhe auf der Fährte wird sehr gelobt. Den letzten Haken hat er einfach überlaufen und ab da hatten wir ein wenig zu kämpfen, aber er zeigt einen großen Findewillen und hat sich selbst wieder auf die Fährte gebracht, ohne dabei mich am Ende des Riemens zu vergessen. „So muss Teamwork aussehen“! So ein Lob geht runter wie Öl 🙂

Im Anschluss daran verabschiedeten sich drei Gespanne ins Suchenlokal und wir waren für die Schleppen nur noch zu zweit. Schleppen sind Gustls Lieblingsdisziplin… Die Kaninchenschleppe und die Federwildschleppe arbeitet er gewohnt wie die Feuerwehr und trägt beide Stücke vorbildlich zu, so dass wir sogar Applaus von den Zuschauern ernten und mein Grinsen immer fetter wird. SO EIN FEINER BUB! Es macht so ein Spaß mit ihm zu arbeiten und das Vertrauen das er mir entgegenbringt macht mich wirklich stolz… So ein Terrier könnte sich ja auch einfach aus dem Staub machen, da draußen im Feld, ohne jegliche Kontrolle. Nachdem die Schleppen gelaufen sind, geht es zum letzten Fach für uns und Gustav war als einziger für das Stöbern gemeldet. Somit hatten wir alle Zeit der Welt.

Am Maisacker angekommen herrschten schon ziemlich hohe Temperaturen und ich hatte bisschen Bauchweh, ob er das nun auch noch schafft. Gerade mal 12 Monate und dann so ein haufen Fächer, das hätte auch schief gehen können. Er suchte fleißig den ganzen Acker ab und es hat lange gedauert, gefühlt eine Ewigkeit. Leider war nichts drin… 🙁  also ein letzter Versuch, ab zum nächste Acker.

Die Nerven waren am Ende, das letzte Fach wollten wir gerne noch bestehen vor allem weil der kleine Kerl sich so bemühte. Gustav machte sich ein weiteres Mal eifrig auf den Weg, es dauerte wieder gefühlt ewig, ehe endlich der erlösende Laut erklang.

Er erteilete drei Stück Rehwild und einem Fuchs Hausverbot und schmiss sie raus :-). Dank GPS sahen wir, dass er sich nach wenigen Minuten auf dem Rückweg befand und ich war überglücklich. Wir gingen ihm ein paar Meter entgegen und nahmen den kleinen König in Empfang, standesgemäß wurde er die letzten Meter zum Auto auf Händen getragen *lol* 26 Grad und voller Körpereinsatz zehren dann doch ein wenig. Gefühlt 5 Liter Wasser später war er aber wiederhergestellt 🙂

Somit hat er nun den Freifahrtschein für die kommende Drückjagdsaison, mal schauen was er daraus macht… Nächstes Jahr geht es dann weiter, für eine GP muss noch ein bisschen geübt werden. Erstmal genießen wir den Herbst und Winter und sind sehr gespannt wie er sich im Einsatz zeigt.

Besonders stolz bin ich darauf, dass er einen guten Eindruck hinterlassen hat und trotz jungem Alter so überzeugend gearbeitet hat.

Gustl fetzt halt 🙂

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