Unser erster Mock-Trial

Naja, wir haben’s getan! Endlich habe ich mich dazu überwunden und Bones zu unserem ersten Mock-Trial gemeldet. Recht kurzentschlossen, da ich festgestellt habe, dass der Meldeschluss für die “Rupert-Hill-Trophy 2013″, verlängert wurde. Also meldete ich ihn – in einem leichten Anflug von Größenwahn – zum Mock-Trial in der Novice Class.
Für Alle die keinen blassen Schimmer haben, wie so ein Mock-Trial abläuft HIER noch einmal zum nachlesen. Ich habe mir den “möglichen” Ablauf gefühlt 1 Millionen mal durchgelesen, nachdem ich die Meldung abgeschickt habe und es wurde nicht besser, man muss es mitgemacht haben 🙂

So klingelte am Samstag morgen der Wecker um 5.30 Uhr und ich kroch’ aus dem Bett, nachdem ich alles gepackt hatte und startklar war, wartete bereits ein schwanzwedelnder Bones an der Haustür. Das Prozedere kam ihm bekannt vor: “Frauchen steht seeeehr früh auf und packt! Das heißt FÜR MICH wird es ein spannender Tag!” Er sollte recht behalten.

Gegen 7 Uhr machten wir uns auf den Weg ins Sauerland. Daheim losgefahren versprach’ das Wetter ganz nett zu werden, kein Regen, aber bewölkt und Gott sei dank nicht mehr so arschkalt wie die Tage zuvor – DENKSTE!!! Da habe ich die Rechnung allerdings ohne den “Sauerländer Wettergott” gemacht und je weiter wir fuhren desto ekliger wurde es. Sprühregen, Nebel, zeitweise Schnee und ein eisiger Wind pfeifte. Na toll… Aber was soll’s, dass man als Retriever-Führer eh einen an der Klatsche hat war mir mittlerweile klar, welcher normale Mensch steht an einem Samstag mitten in der Nacht auf, fährt 200km durch die Lande nur um seinen Hund grüne Stoffsäckchen holen zu lassen???

In Marienheide angekommen war klar, dass das Wetter nicht auf unserer Seite war. Schneegriesel und ein eisiger Nordostwind! Juppie… Die ganze Fahrt über dachte ich sowieso schon darüber nach einfach umzukehren: “Was hab’ ich eigentlich mit meinem Schoko-Knochen auf einem Mock-Trial, zwischen den ganzen Arbeitslinien Labbis und Arbeitslinien Goldens, verloren???” zumal Bones im Dummytraining nicht immer mit purer Arbeitsfreude glänzt, sondern viel lieber mit Frauchen richtig jagen geht.
Nützte alles nichts, jetzt waren wir schon ‘mal da und es gibt kein zurück mehr! Ich gab meine Unterlagen ab und zog meine Startnummer: 12! Die Letzte. Pünktlich um 9.30 Uhr begrüßte Ian Bundey die Teilnehmer und stellte alle Richter vor: Rupert Hill, Keith Sandercock, Ron Jeffries und Anja Helber. Nach kurzer Besprechung der Helfer und Richter ging es zu Fuß ins Prüfungsgelände, das kam mir gerade recht, so konnte ich meine Aufregung ein wenig “ablaufen”.
Im Prüfungsgelände gab es nochmal eine kurze Erläuterung zum Ablauf der ersten Aufgabe:

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Und dann hieß’ es “Walk-On!” die erste Aufgabe war ein großer Walk-Up mit 4 Hunden in der Line, wobei sich immer die 2 nächsten Gespanne hinter der Line aufhielten und mitliefen um schnell einwechseln zu können. Es fielen einfache Vorwärts-Markierung, welche mit Flinte beschossen wurde, die Entfernung betrug ca. 60 Meter und das Gelände war eine Wiese mit leicht hügeligem Gelände, so dass die Fallstellen nicht immer gut zu sehen waren. Es arbeitete jeweils der äußerste, rechte Hund und der äußerste, linke Hund und so wurde der Reihe nach aufgerückt, bis alle 12 durch waren.
Unser großer Moment: mann war ich aufgeregt! Zumal Bones – im Training – nicht der bester Markierer war, aber er überraschte mich! Für uns hieß es nun, Leine ab und walk-on. Mein Herz pochte bis zum Hals, hinzu kam, dass ich tierisch Angst hatte, dass Bones gleich in der ersten Aufgabe quietscht und wir raus sind. Flintenschüsse sind für ihn immer sehr aufregend und manchmal kann er nicht ganz die Klappe halten. Aber wir hatten Glück und das gelegentliche fiepen hat er in der Wartezone gelassen Schuss fiel, Dummy auch. Ich hatte schonmal gut markiert, nachdem ich die Freigabe bekam meinen Hund zu schicken, hoffte ich dass er genauso gut markiert hatte wie ich!

Bones beim Start:

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Und MIT Dummy auf dem Weg zurück!!!!!!

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Yes! Erster Apport geschafft – was kann man sich über eine Stinknormale Markierung freuen… Jeder Hund sollte zwei Apporte bekommen und beim zweiten Mal rutschte mir das Herz in die Hose, denn nachdem ich Bones losgeschickt hatte sah ich im Augenwinkel einen schwarzen Labrador ebenfalls in Richtung Dummy rennen!

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Aber ersteinmal von vorne. Wir hatten unser erstes Dummy drin und die nächsten zwei Hunde waren dran und wir liefen derweil in der Line mit. Anschließend nocheinmal der gleiche Walk Up mit Markierung. Bones wurde von Schuss zu Schuss etwas angefixter und neigte etwas dazu, einen tick zu weit vorne zu laufen! DAS MACHT ER SONST NIEEEEE… Der Sack!!! Aber im Training schießen wir auch nicht mit Flinten, es sein ihm verziehen, zumal es wirklich niemandem auffiel, da es nur ein paar Zentimeter waren. Lediglich mir, da er sonst immer etwas nachhängt beim Walk-Up und heute ganz im Gegenteil!!!
Also wir waren wieder an der Reihe und die Markierung fiel, ich schickte Bones nach der Freigabe und er stürmte los. Kurz vor dem Dummy tauchte plötzlich der andere Hund auf, der Führer bekam versehentlich auch eine Freigabe. Na ja erst einmal war kuddel muddel in meinem Kopf, aber der Richter versicherte mir, dass bei uns alles richtig läuft. Nachdem Bones kurz die Lage checkte wer ihn da stört, kam er auch schon zügig zurück und lieferte das Dummy bei mir ab. Ich durfte ihn anleinen und die Line verlassen. Puh… Da war mein Arsch aber kurz auf Grundeis.

Ob wir weiter waren wusste ich nicht. Die Richter machen sich während der Arbeit ihre Notizen, wobei nur ein Hund mit einer A oder A + Bewertung weiterkommt. B und C-Wertungen schaffen es nicht in die nächste Runde oder aber man kassiert ein sog. “elimine”, dann hat der Hund einen Aussschlussfehler begangen und darf nicht weiterarbeiten.
Das traf bei uns nicht zu, denn wir durfte zur nächsten Aufgabe starten. FREUDE! Nach dem ersten Walk-Up, war ein Gespann wegen fiepen leider ausgeschieden, also ging es mit 11 Gespannen weiter.
Diesmal gab es wieder einen 4er Walk-Up mit einer Doppelmarkierung wobei die jeweils äußersten Hunde die Markierungen über kreuz arbeiten sollten. Also linker Hund arbeitet die rechte Markierung und umgekehrt. Die Entfernung der Markierung war etwas weiter als in der ersten Aufgabe und dadurch etwas erschwert, da die Flugbahn den Wald im Hintergrund hatte und die Hunde schon ganz genau schauen mussten um zu sehen wie das Dummy fällt.
Wir starteten rechts außen und mussten die linke Markierung holen, als der Schuss fiel zeigte ich mit dem Finger kurz in Richtung Schützen und hoffte, dass Bones es mitbekommen hatte. Nachdem die rechte Markierung auf unserer Seite fiel, durfte ich Bones zuerst schicken. Also wieder fingerzeigt nach links – mark! – und geschickt. Was soll ich sagen: ich konnte nicht glauben, dass das mein Hund war: Punktgenau markiert!!! YEAHHH…

Zweite Markierung fällt:

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Ausrichten auf die erste Markierung:

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Nachdem Bones wieder drin war, kam von Rupert Hill die Bemerkung “Good Job” und ich war soooooo glücklich. Er hatte wirklich einen guten Job geleistet! Mussten einige Hunde doch eingewiesen werden oder benötigten Hilfe, hat Bones die Aufgabe komplett selbstständig gelöst. Boah – ich war stolz wie Bolle!!!

Nach dieser Runde waren 3 Gespanne ausgeschieden und wir waren tatsächlich noch dabei. Das hätte ich nie gedacht! Also nix mit entspannen – nach einer kurzen Pause ging es weiter mit dem nächsten Walk-Up. Diesmal wieder mit 4 Gespannen, allerdings ohne nachrücken, da wir nur noch 8 Gespanne waren, wurden einfach zwei 4er Walk-Ups gemacht.
Die Line bewegte sich auf einer großen Wiese mit einem kleinen Tal und angrenzend an das Tal der Waldrand. Die Markierungen fielen am Waldrand, die Entfernung betrug aber locker über 100 Meter, ab 100 Metern bin ich schlecht im Schätzen.
Hier zeigte sich die Schwierigkeit dieser Aufgabe, denn viele Hunde sind in den Wald abgedriftet auf der Suche nach dem Dummy und benötigten teilweise viel Hilfe in Form von Einweisen. Als wir dran waren machte ich mich schon auf ein Einweisen gefasst. Beim Schuss versuchte ich mir genau einzuprägen wo das Dummy fällt und nebenbei schaute ich ob Bones sie auf’m Schirm hatte. Nun ja – der Hund war der Kracher er hatte punktgenau markiert!!! Ich musste nicht helfen, beim zweiten Durchgang war er etwas am Dummy vorbei, da er aber in den Wind kam entschloss ich mich dazu nicht zu helfen und tatsächlich: er schoss etwa 10 Meter rechts von der Fallstelle vorbei, bekam sofort Wind und korrigierte sich von selbst.

Letzter Walk-Up:

 

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Erstes Dummy:

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Nase in den Wind:

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Zweites Dummy auch bekommen:

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Kurz posen für den Fotografen

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Und abliefern:

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Für mich war das UNSERE BESTE LEISTUNG und trotz etwas verlangsamten Rückweges war ich so glücklich. Für uns war der Trial mit dieser Aufgabe beendet, obwohl er punktgenau markiert hatte und keinerlei Hilfe brauchte.
Vielleicht lag es am langsamen Zurückkommen oder am etwas zögerlichem Aufnehmen beim letzten Dummy – ich weiß es nicht. Es war mir auch schnuppe! Ich war so stolz auf meinen Hund. Ich hätte nie, nie, nie niemals nicht gedacht, dass er sich so wacker schlägt.
Die letzte Aufgabe war ein Treiben (sog. Drive) mit den 4 übriggebliebenen Gespannen. Nach dem Treiben gab es noch ein Stechen zwischen 2 Hunden, zwecks Platzierung. Welches ich aber nicht mitbekommen habe und auch leider nicht berichten kann, was verlangt wurde.

Ich kann nur sagen, das war nicht unser letzter Mock-Trial, denn es hat einen wahnsinns Spaß gemacht!!!

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Vielen Dank an Dr. Georg Mittelbach für die zahlreichen Bilder. Die komplette Galerie kann man auf seiner Homepage www.image-fotowelt.de einsehen.

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